Das Schweigen der Blumen

(nach dem Theaterstück «Die Töchter von Taubenhain»)

 

Stimmen:
Norbert Schwientek
Natalia Conde
Katja Reinke
Sylvana Krappatsch
Daniel Kashi

Regie:
Claude Pierre Salmony

Radio DRS2, Basel 2004

• Hörbeispiel folgt

(...)

Sophie: Wo bleibst du? Ich habe auf dich gewartet. Ich will in deinem Schatten sitzen, ich will deine Früchte kosten.

Reinhard: Sophie! ... was für ein seltsames Kleid.

Sophie: Das habe ich extra für dich angezogen. Das Hochzeitskleid meiner Mutter

Reinhard: Ein Brautkleid?

Sophie: Heute Nacht werden wir uns vermählen.

Reinhard: Ich gehe mit deinem Vater auf die Jagd. Ich werde mit ihm reden. Er kann dich nicht zurückhalten. Der Tod und die Liebe lassen sich nicht aufhalten.

Sophie: Auf die Jagd. Das ist schön. Da musst du mir einen Hirsch schiessen.

Reinhard: Ich kann nicht schiessen.

Sophie: Dann muss Vater mir den Hirsch schiessen. Mein Hochzeitsgeschenk. Einen schönen Hirsch mit einem grossen Geweih und einem langen Schwanz.

Reinhard: Was willst du denn mit einem Hirsch anfangen?

Sophie: Ich esse ihn auf. Dann kann ich springen wie er.

Reinhard: Auf und davon mit mir.

Sophie: Ich will nicht davon. Hier ist es doch schön.

Reinhard: Ach, Sophie ...

Sophie: Du wirst immer bei mir sein. (lacht) Du bist mein Bräutigam und mein Geschenk, du stillst meinen Hunger und meinen Durst.

Reinhard: Mein Liebling!

Sophie: Ich will mit dir vögeln. Gleich jetzt. Hier auf dem Sofa.

Reinhard: (lacht) Sophie! Wenn jemand kommt.

Sophie: Ich trinke deinen Nektar, und du trinkst meinen gewürzten Wein.

Reinhard: Wenn wir in der Stadt wohnen, können wir uns jeden Tag und jede Nacht lieben.

Sophie: Ich will aber nicht in die Stadt. Die ersten Menschen wären nicht gestorben, wenn sie den Garten nicht verlassen hätten. Adam und Eva haben sie geheissen. Und der Garten Eden.

Reinhard: Sie wurden vertrieben.

Sophie: Weil sie neugierig waren. Weil sie nicht zufrieden waren mit dem, was sie hatten.

Reinhard: Bist du denn zufrieden?

Sophie: Du wirst sehen, wie schön es hier ist. Du wirst mein Kirschbaum sein.

(...)

 

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