SitCom

Ideen zu einer SitCom für das Schweizer Fernsehen (1993)

 

Ich war wohl etwas naiv, als ich der Abteilung Dramatik des Schweizer Fernsehens 1993 meine Ideen zu Sitcoms darlegte. Das sah ungefähr so aus:

Zeit: Es wäre zu versuchen, eine Serie zu machen, die nur einen sehr kurzen Zeitraum umfasst, etwa eine sechsteilige Serie, die nur die Geschehnisse eines Tages umfasst.
Die Erzählung könnte statt chronologisch zu sein, mit dem Ende beginnen und dann schrittweise rückwärtsgehen, wobei die Spannung nicht durch den Ausgang der Geschichte, sondern durch die Wurzeln ihrer Entwicklung erzeugt werden müsste.
Ausserdem wäre es möglich, die Zeit nicht der Handlung anzupassen, sondern eine Entwicklung an regelmässig wiederkehrenden Zeitpunkten zu betrachten, ohne das inzwischen Geschehene explizit zu zeigen.

Ort: Eine Serie ist vorstellbar, in der der Zusammenhang nur durch die Personen geschaffen wird, während sich der Raum laufend verändert.
Ebenfalls zu versuchen wäre eine Serie die auf sehr kleinem Raum spielt.

Personen: Interessant wäre es, mit nur einer Hauptperson zu arbeiten oder die Zahl der Hauptpersonen kontinuierlich zu steigern oder zu verringern.

Handlung: Man könnte eine Serie schreiben, in der die Handlung auf ein Minimum reduziert ist und die Dialoge im Vordergrund stehen (etwa wie im Kinofilm «Nuit d'été en ville»). Natürlich ist es gefährlich, sich in einem optischen Medium auf die Sprache zu konzentrieren, aber eine interessante Kameraführung und wirklich anspruchsvolle Dialoge könnten vermutlich auch eine solche Serie zu einem Erfolg machen.

Erzählweise: Ich glaube es würde sich lohnen, andere Erzählstile auszuprobieren. Warum nicht einmal eine Serie im Stil romantischer Romane, eine märchen- oder sagenartige oder sogar eine absurde Serie (eine meiner Lieblingsvorstellungen)?
Auch andere Stilmittel der Literatur wären für TV-Serien zu gebrauchen, beispielsweise die Rahmengeschichte, der stream of consciousness, point of view-Techniken, der Ich-Erzähler etc.

Inhalt: Ich könnte mir vorstellen, eine Büroserie zu schreiben (ein ungeheuer grosses Gebiet, das Serienautoren aber doch recht wenig zu interessieren scheint) oder – wenn es ein nicht alltäglicher Beruf sein soll – eine Serie über einen Arzt in einer psychiatrischen Klinik, ein Müllwagen-Team oder einen Entwicklungshelfer (die Idee für eine Serie über einen Leichenwäscher in einem Krematorium habe ich vorerst zurückgestellt). Spannend und anspruchsvoll wäre eine Folge über einen Kunsthistoriker, der in seinen Auslegungen alter Kunstwerke oft auch detektivische Arbeit leistet, ohne über Leichen zu gehen.

Die damals vorgeschlagenen Projekte interessierten das Fernsehen nicht. Aber nach einigem Hin und Her fing ich an an einer Serie unter dem Titel Piz Gloria zu arbeiten. Aber ich erreichte weder das Niveau noch die Witzdichte, die vom Fernsehen angestrebt wurden, und so begruben wir das Projekt irgendwann. Stattdessen kam es zu «Fascht e Familie».

 

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