Aus dem Leben von Hansmax Preisel, Buchhalter

Hansmax Preisel macht Inventur zur Halbzeit

 

— fünfzehn Paar Unterhosen, drei davon schadhaft
— vierunddreissig Taschentücher in verschiedenen Farben
— zweiundzwanzig Paar Socken
— fünf Paar Hosen, eines kurz
— zwölf Hemden, sieben davon weiss
— acht Pullover, drei handgestrickt (zwei von Mutter, einer von Frau Brühwiler)
— sechs Jacketts, eines mit unentfernbarem Fleck (Rotwein)
— zwei Pyjamas (Baumwolle)
— ein Bild von einem Elefanten (indisch)
— ein Skianzug, wattiert
— eine Luftmatratze
— vierundzwanzig mal unglücklich verliebt (zweimal erklärt, zweiundzwanzig mal heimlich)
— eine erfolgte Beförderung, drei verpasst
— zwei Freunde, einer davon nach Südamerika ausgewandert
— eine Freundin, deren Liebe ich nicht erwidere
— vier Stühle, frisch überzogen (brauner Wollstoff)
— ein Tisch (Kirschbaum)
— eine Nacht grösster Verzweiflung
— sechshundertneununddreissig Bücher, darunter:
— vierundfünfzig Reclam-Bändchen, eines stark beschädigt
— gesammelte Werke Schopenhauers mit Widmung «von Renate für die schöne Zeit»
— achtundachtzig Werke in französischer Sprache, davon sechsundzwanzig Maigret-Romane
— ein Periodensystem der Elemente (vierfarbig)
— ein italienischsprachiges Buch (Pavese, nicht gelesen)
— ein Reiseführer von Japan, nicht benutzt
— sieben Geschenkbüchlein «Lebensfreude» mit unterschiedlichen Widmungen
— Kamasutra (antiquarisch)
— Knaurs Taschenbuchlexikon in vierundzwanzig Bänden (Ausgabe 1984)
— wiederholt Gedanken, auszuwandern, ohne jemanden zu verständigen
— hundertsiebenundzwanzig Enttäuschungen über politische Entscheide
— ca. achtzigtausend Kilometer zu Fuss zurückgelegt
— vierundfünfzig Jahre
— neun Jahre Schule
— immer seltener Langeweile
— ein Faustschlag ins Gesicht (von Renate)
— dreimal Südfrankreich im Herbst
— keine Polstergruppe, aber zwei bequeme Sessel (geerbt)
— eine kleine, amerikanische Flagge (Nylon)
— dreizehn Kinderzeichnungen, davon zwei selbst gemacht
— drei Kühlschrankmagnete (Früchte)
— ein grosser und ein kleiner Stein (selbst gefunden)
— ein Kristall (gekauft)
— zwei Anrufbeantworter (einer davon defekt)
— eine Tube Weissleim, halb leer
— siebenhundertachtzehn peinliche Momente, zwei davon hochpeinlich
— täglich sieben Zigaretten während ca. fünf Jahren
— vierunddreissig Schnüre unterschiedlicher Längen
— hundertachtundzwanzig grössere Auseinandersetzungen mit den Eltern, vier davon schwer, eine sehr schwer (geweint)
— eine Hundeleine (gefunden)
— je sechs Gabeln, Messer, Ess- und Kaffeelöffel, je fünf davon selten gebraucht
— ein Kunstdruck von Seurats «Dimanche à la Grande Jatte»
— ein Erlebnis, das ich noch niemandem erzählt habe
— fünf Erlebnisse, die ich erst einer Person erzählt habe
— dreihundertfünfundsiebzig Diensttage (Infanterie)
— eine wegen Krankheit verpasste Volksabstimmung
— fünf Tage Kreta
— ein Jahr Saint-Croix
— regelmässig Momente grossen Mitleids mit der gesamten Menschheit, gelegentlich Momente des Mitleids mit bestimmten Personen, selten mit mir selbst
— ein hässliches Buffett (Erbstück)
— eine angefangene Flasche Jack Daniels
— ein Fahrrad (schwarz)
— zwei Tomaten (eine davon angeschimmelt)
— dreiundzwanzig grosse Enttäuschungen
— sieben Schreibblocks (kariert)
— fünfzehn gute Vorsätze (zwei davon ausgeführt)
— ein Baseball der Boston Red Sox (Souvenir)
— das starke Bedürfnis, einiges zu ändern
— ein Aquarium (defekt)
— ein Besuch bei einer Prostituierten (unbefriedigend)
— ein Besuch in Paris (befriedigend)
— viele Träume (vorwiegend positiv, oft seltsam)
— siebzehn sehr schöne Erinnerungen

 

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